Was ist der Waist-Hip-Ratio?
Bedeutung, Grenzwerte und Gesundheitsrisiken einfach erklärt
Der Waist-Hip-Ratio (WHR), auf Deutsch Taille-Hüft-Verhältnis, ist ein einfacher und zugleich aussagekräftiger Messwert zur Einschätzung der Körperfettverteilung und des damit verbundenen kardiovaskulären Risikos. Während der BMI nur das Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße erfasst, berücksichtigt der WHR, wo das Fett gespeichert ist – und genau das ist für die Gesundheit entscheidend. Fett im Bauchbereich (viszerales Fett) ist metabolisch aktiv und mit einem deutlich höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck verbunden als Fett an Hüfte und Oberschenkeln.
Die Berechnung des WHR ist denkbar einfach: Taillenumfang (cm) geteilt durch Hüftumfang (cm). Bei einer Person mit 80 cm Taille und 100 cm Hüfte ergibt sich ein WHR von 0,80. Die WHO-Grenzwerte liegen für Männer bei 0,90 (erhöhtes Risiko ab 0,91) und für Frauen bei 0,85 (erhöhtes Risiko ab 0,86). Diese Werte basieren auf umfangreichen Bevölkerungsstudien und gelten international als Standard-Screeningwerkzeug.
Viszerales Bauchfett unterscheidet sich von subkutanem Fett nicht nur durch seine Lage, sondern auch durch seine Funktion. Es produziert entzündungsfördernde Botenstoffe (Adipokine) und freie Fettsäuren, die direkt in die Pfortader und damit in die Leber gelangen. Dies fördert Insulinresistenz, erhöht den Blutdruck und verschlechtert das Cholesterinprofil. Studien zeigen, dass Menschen mit hohem WHR ein bis zu dreifach erhöhtes Herzinfarktrisiko haben, unabhängig vom BMI.
Im Vergleich zum reinen Taillenumfang hat der WHR den Vorteil, dass er die Körperproportion berücksichtigt: Eine großrahmige Person mit breiten Hüften kann einen ähnlich großen Taillenumfang haben wie eine kleiner gebaute Person, hat aber dennoch ein niedrigeres relatives Risiko. Der WHR ergänzt BMI und Taillenumfang sinnvoll und wird von der WHO für das kardiometabolische Risiko-Screening empfohlen.