Wie wird der Geburtstermin berechnet?
Die Naegele-Regel und ihre medizinische Bedeutung
Die Naegele-Regel ist die weltweit am häufigsten verwendete Methode zur Berechnung des voraussichtlichen Geburtstermins. Sie wurde 1812 von dem deutschen Geburtshelfer Franz Karl Naegele beschrieben und gilt bis heute als Standardverfahren in der Geburtshilfe. Die Formel addiert 280 Tage (40 Schwangerschaftswochen) zum ersten Tag der letzten Menstruationsperiode (Last Menstrual Period, LMP).
Unser Rechner erweitert die klassische Naegele-Regel um eine Zykluskorrektur: Da die ursprüngliche Formel einen 28-tägigen Standardzyklus annimmt, verschiebt sich der errechnete Termin bei abweichender Zykluslänge entsprechend. Bei einem 30-tägigen Zyklus berechnet der Rechner ET = LMP + 282 Tage (+2 Tage), bei einem 26-tägigen Zyklus ET = LMP + 278 Tage (−2 Tage). Diese Korrektur verbessert die Genauigkeit der Schätzung erheblich.
Es ist wichtig zu verstehen, dass der errechnete Geburtstermin eine statistische Schätzung ist. Tatsächlich werden nur etwa 5 Prozent aller Kinder exakt am ET geboren. Der Großteil der Geburten findet im Zeitraum von einer Woche vor bis zwei Wochen nach dem errechneten Termin statt. Die Ultraschalluntersuchung im ersten Trimester (in der Regel zwischen der 9. und 12. Schwangerschaftswoche) ermöglicht durch Messung der Scheitel-Steiß-Länge des Embryos eine deutlich präzisere Terminbestimmung.
In Deutschland schreibt die Mutterschaftsrichtlinien mindestens drei Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft vor. Das erste Screening dient unter anderem der Bestätigung oder Korrektur des errechneten Geburtstermins. Bei erheblicher Abweichung zwischen dem rechnerischen ET (Naegele) und dem sonografischen ET korrigieren Ärztinnen und Ärzte den Termin auf Basis der Ultraschallmessung, da diese in der Frühschwangerschaft präziser ist.